Chronik des Vereins

Viel Schweiß und wenig Brot: die Entlohnung der Musik um 1900.

Interessant und aufschlussreich vor allem über die Entlohnung der Musikkapellen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Aufzeichnungen des damaligen Schriftführers über die Vorbereitung und Durchführung des 40-jährigen Stiftungsfestes der Freiwilligen Feuerwehr Bütthard am 3., 4. und 5. Juli 1909. Die Büttharder Musiker waren zu einer Ausschusssitzung geladen worden, bei der die Entlohnung der Festmusik ausgehandelt werden sollte. Sie verlangten 150 Mark. Der Ausschuss bot ihnen zunächst 130 Mark und erhöhte sein Angebot dann auf 140 Mark. Da die Musiker aber an ihrer Forderung festhielten und dies damit begründeten, dass sie die Kapelle durch zwei auswärtige Musiker verstärken müssten, wurden ihnen schließlich die geforderten 150 Mark zugebilligt. Dazu ist zu lesen: „…und sie versprachen dagegen, eine gute, kräftige Musik zu spielen.”

Für die ausgehandelten 150 Mark spielten die Musiker am Samstagabend beim Lampionszug und bei der anschließenden musikalischen Unterhaltung; Am Sonntag früh Tagreveille (Weckruf), dann die Kirchenparade und nach dem Gottesdienst den musikalischen Frühschoppen; am Nachmittag den Festzug und anschließend Unterhaltungsmusik im Festgarten bis in die Nacht hinein; am Montag früh nochmals Kirchenzug und nach dem Gottesdienst musikalischer Frühschoppen sowie am Abend Unterhaltungsmusik in einem Gasthaus.

Auch die Gemeinderechnungen und die Protokollbücher der Gemeinde Bütthard geben Auskunft über die an die Musikkapellen gezahlten Vergütungen. So sind in der  Gemeinderechnung für das Jahr 1895 folgende Ausgabeposten enthalten: „dem Lehrer für die Leitung der Kirchenmusik 30 Mark” und „den Musikanten 30 Mark”. Bei der Gemeinderatssitzung am 09. Dezember 1900 „wird der jungen Musik für Jubiläumsfeier des geistl. Rates, Dechantpfarrer Martin Zorn in Rimpar 25 Mark bewilligt und zwar mit Rücksicht darauf, dass sie auch bei der Bischofsfeier eine Vergütung nicht erhalten habe.” Im Protokoll vom 06. Januar 1901 ist dann zu lesen: „Der alten Musik wird für Spielen bei der Bischofs- feier 20 Mark aus der Gemeindekasse bewilligt.” Am 28. April 1901 hielt der Gemeinderat „Beratung wegen des Honorares, welches die hiesige Kirchenmusik beanspruchte. Es wurde beschlossen, dass sie als Entschädigung 50 Mark jährlich aus der Gemeindekasse erhält und die zu beschaffenden Notenbücher von der Gemeindekasse beschafft werden und auch Eigentum derselben bleiben.”

Während des ersten Weltkrieges waren die aktiven Musiker fast ausnahmslos zum Waffendienst eingezogen, sodass musikalische Betätigungen für diese Zeit nicht nachweisbar sind. Eine Ausnahme bildete lediglich die Kirchenmusik, für die sich nochmals ältere Musiker zur Verfügung stellten.

Eine Blütezeit nach dem 1. Weltkrieg: die FRANKONIA entsteht!

Nach dem Ende des Krieges erlebte die Blasmusik in Bütthard einen neuen Aufschwung. Eine große Anzahl Jugendlicher erlernte zunächst unter Musiklehrer Fröhlich das Spielen eines Zupf- oder Streichinstrumentes. Später gab ihnen dann Musiklehrer Machold Unterricht auf Blasinstrumenten. Am 23.04.1920 erfolgte die Gründung des Musikvereins „Frankonia”. Nach seinen Statuten war Vereinszweck die Pflege der Musik sowie gesellige Unterhaltung. Die Gründungsvorstandschaft setzte sich aus folgenden Personen zusammen: Vorstand: Adam Michel, Dirigent: Georg Fröhlich, Kassier: Michael Schmitt, Schriftführer: Stefan Hettiger, Beisitzer: August Bachert und Kaspar Humm. Ein Teil der jungen Musiker schloss sich diesem Verein an, die anderen verblieben bei der „Eintracht“.

Blas_Streicher_1921
Musikverein „Frankonia“ (Blech- und Streichmusiker im Jahre 1921)

Im Inflationsjahr 1923 beschaffte der Musikverein „Frankonia” eine neue Standarte, die von der Firma Buri, Würzburg zum Preis von 195.500 Mark angefertigt wurde, wie aus dem im vergangenen Jahr wieder aufgefundenen ersten Kassenbuch des Vereins zu entnehmen ist. Die Fahnenweihe fand am 08. Juli statt. Fahnenbraut war Frl. Lisl Ising. Die Patenschaft hatte der Verein „Eintracht” übernommen. Viele auswärtige Vereine waren dabei anwesend.

Standarte1920
Standarte 1920

In den folgenden Jahren gab es dann zwei Musikkapellen nebeneinander. Das brachte einen gesunden Wettbewerb und hatte positive Auswirkungen auf den Leistungsstand. Leider war dies nur etwa eineinhalb Jahrzehnte der Fall. Bald nach der Machtergreifung Hitlers wurde die Zwangsmitgliedschaft im Reichsmusikbund auch für Laienmusiker durchgesetzt. Dies und die zunehmende Politisierung sowie der ständige Druck zur Gleichschaltung der Vereine veranlasste viele Musiker, ihre aktive Tätigkeit einzustellen. Das hatte zur Folge, dass im Musikverein „Frankonia” um das Jahr 1935 die musikalische Betätigung völlig zum Erliegen kam und das Vereinsleben ruhte. Neben dem kürzlich wieder aufgefundenen Kassenbuch gibt es auch aus dieser Zeit kaum noch Unterlagen. Lediglich ein gedrucktes Heft mit den Vereinsstatuten und einige Fotos der Kapelle befinden sich in unseren Händen.

Blaskapelle 1921
Blaskapelle 1921
Stehend v. l.: Stefan Hettinger, Hans Müller, Hans Rau, Musiklehrer Machold, Karl Link, Adam Michel, Josef Seger Sitzend v. l.: August Bachert, Michael Schmitt, Erhard Hettinger, Leo Seger, Johann Link II

Der Verein „Eintracht” wurde schon vor 1869 als geselliger Zusammenschluss gegründet. Ihm hatte sich die im Jahre 1900 gegründete Musikkapelle angeschlossen. So war es auch verständlich, dass sich etwa die Hälfte der nach dem ersten Weltkrieg ausgebildeten Musiker diesem Verein beitrat. In dem für die Zeit von 1926 bis 1931 noch vorhandenen Protokollbuch der „Eintracht” wird von vielerlei Aktivitäten der Musikkapelle berichtet u.a. auch  von der Fahnenweihe des Vereins „Eintracht”, bei welcher beide Kapellen – die der „Eintracht” und die des Musikvereins „Frankonia” – zusammen die Festmusik spielten.